Jetzt gehts los, deutsche Truppen machen sich auf den Weg in den Kongo um die bald anstehenden Wahlen zu sichern. Das es sich dabei um kein allgemeinnütziges Unternehmen handelt dürfte wohl klar sein. Deshalb noch einmal der Versuch die Situation im Kongo ein wenig zu beleuchten.
Der Kongo
Die Demokratische Republik Kongo liegt in Zentralafrika und ist mit ihren 2.345.411 km² der drittgrößte Staat Afrikas. Im Kongo leben ca. 62,6 Millionen Einwohner. Gegründet wurde der Kongo 1908 als belgische Kolonie und wurde erst 1960 unabhängig. Im Jahr 1965 riss Joseph Mobutu die Macht an sich und benannte das Land in Zaire um. Mobutu wurde 1997 durch Laurent Kabila gestürzt. Nach der Ermordung Laurent Kabilas 2001 wurde sein Sohn, Joseph Kabila, Präsident. Im Jahr 2003 wurde eine Übergangsregierung eingesetzt, deren Präsident weiterhin Joseph Kabila ist. Er regiert mit vier Vizepräsidenten, die die ehemalige Regierung, die ehemaligen Rebellengruppen und die Opposition repräsentieren. Im Jahr 2005 wurde eine neue Verfassung beschlossen, die die Übergangsverfassung ablösen sollte. Diese wurde von der Mehrheit der Bevölkerung angenommen und im Februar dieses Jahres in Kraft gesetzt. Ende Juli sollen nun die Wahlen stattfinden. Und um genau diese Wahlen zu sichern entsendet die EU, vorneweg Deutschland, Truppen. (1) (2)

Schützenhilfe für Freedom & Democracy ?
Die EU-Truppen sind nicht die ersten, die sich auf den Weg in den Kongo machen. Auch Uganda, Ruanda und Burundi haben sich schon des öfteren an den Rohstoffen des Kongo bedient. Zu diesen zählen Gold, Silber, Diamanten, Erdöl, Kobalt, Kupfer,Mangan, Zink, Zinn, Cadmium, Germanium und Beryllium. Ganz besonders interessant für den Westen ist jedoch Coltan, das zwei Metallerze (Columbit und Tantalit) enthält. Diese enthalten Niob und Tantal. Bei Tantal handelt es sich um einen wichtigen und seltenen Rohstoff für die Hightechindustrie und findet in Computerchips und Mobiltelefonen Verwendung. Niob wird für die Herstellung hitzebeständiger Bauteile verwendet, also unter anderem bei Raketen und in der Raumfahrt. Das mit dem Kauf von Coltan bisher auch der Bürgerkrieg finanziert wurde hat gerade deutsche Unternehmen wenig gestört.
Es verwundert also nicht, dass auch Bundesverteidigungsminister Jung erkannt hat, das „Stabilität in der rohstoffreichen Region“ „der deutschen Wirtschaft“ nütze. Und auch der außenpolitische Sprecher der CDU/CSU, Andreas Schockenhoff, stellt fest, das die DR Kongo „vor allem über strategische Rohstoffe (…), die für Europa wichtig sind“ verfüge. (3)
Nichts neues also an der Front kapitalistischer Ausbeutung…
Nachtrag:
Ascetonym meint in meinem Beitrag Demokratieidealismus entdeckt zu haben. Bevor man hier tatsächlich etwas mißversteht nochmal etwas deutlicher: Es geht hier keineswegs darum, das ein Einsatz der Bundeswehr gerechtfertigt wäre, wenn das „tatsächliche“ Ziel das Sichern der Wahlen wäre. Es ist eigentlich garnicht ausgeschlossen das dieses Ziel konkret verfolgt wird. Hier hat Ascetonym schon richtig erkannt, das eben eine Demokratie ein verlässlicher Partner sein kann. Nur wäre der Kongo für die EU eben nicht von Interesse, wenn es dort keine Rohstoffe geben würde. Es handelt sich hier also um keinen Demokratieexport im Sinne des Exports eines – zumindest für Demokraten – Ideals, sondern um wirtschaftliche Interessen die diese Region eben für die Demokraten der EU interessant macht. Die Ausbeutung der Ressourcen mag sich zwar auch durch private Söldnertruppen sichern lassen, aber ein eigenes Kontingent mit Einladung der hiesigen Regierung im Land stationieren zu können dürfte wohl die einfachere Methode sein. Ich hoffe ich komme bei Gelegenheit dazu nochmal ausführlicher auf das Thema eingehen zu können, momentan ist das aufgrund anderer Verpflichtungen nicht möglich.


